FAQ
– Fragen und Antworten zum Thema
Sonderkommando Auschwitz
Wie haben Sie es geschafft und
was waren Ihre Gründe über
das jüdische Sonderkommando zu
schreiben?
Als ich mit etwa 16 Jahren mit dem
Thema zum ersten mal konfrontiert
wurde und zwar in Auschwitz selbst,
als Schüler und als Teilnehmer
einer Gedenkstättenfahrt, wusste
ich schon auf irgendeine Art und Weise,
dass dieses Thema mein Leben bestimmen
würde.
Als ich kurz darauf, Anfang 1992,
Claude Lanzmanns Film „Shoah“
sah und dort die Aussagen von Philipp
Müller hörte, hat mich das
so tief bewegt, und so stark geprägt,
dass ich von dem Thema seitdem überhaupt
nicht mehr loskam. (...)
Ein Jahr später begann ich als
Freiwilliger der „Aktion Sühnezeichen“
in Auschwitz selbst zu arbeiten, wo
ich genügend Gelegenheit hatte,
relevante Quellen zu studieren. Und
zu Ihrer Frage (...), wie ich das
geschafft habe: wenn ich nicht so
geführt geworden wäre und
mich nicht dazu in der Lage gesehen
hätte, mich mit diesem Grauen
auseinander zu setzen, dann hätte
ich damit nie angefangen.
(...) In dieser Zeit hatte ich viele
schicksalhafte Begegnungen, die mich
immer wieder bestärkt haben,
dem Thema treu zu bleiben und so kam
es eben, dass ich durch diese langjährige
Beschäftigung eines Tages zum
Autoren wurde, denn diese Beschäftigung
hat ja nur einen Sinn gehabt, nämlich
diese Thematik zu vermitteln. (....)
Es bleibt bei weitem nicht nur beim
Quellenstudium, wenn man sich mit
der Materie vertraut machen will,
man muss auch sehr differenziert Aussagen
untersuchen und die meisten Erkenntnisse
konnte ich während der Zeitzeugengespräche
gewinnen. Also mein Lehrer ist von
Anfang an Filip Müller gewesen,
der mich durch seine Aussagen in „Shoah“
zu dem Thema gebracht hat und dessen
Buch “Sonderbehandlung“
ich unmittelbar danach verschlungen
habe. Meine Gespräche mit ihm
haben mein Bild der Sonderkommando-Geschichte
und auch meine Sensibilität für
das Thema entscheidend geprägt.
Darf man die Shoah dem Buchmarkt
überhaupt überantworten?
Ich denke, dass man das sogar muss,
weil ich der Meinung bin, dass das
Buch eines der wichtigsten und effektivsten
Medien ist, um das Thema zu vermitteln
und um essentielle Erkenntnisse und
Botschaften zu vermitteln. Alles im
Leben hat seinen Preis. In der Tat
ist es immer ein großes Risiko,
so ein sensibles Thema der Öffentlichkeit
zugänglich zu machen, denn mit
diesen Ergebnissen kann jeder anstellen,
was er will: Jeder Leser kann seine
eigenen Schlüsse daraus ziehen
und die Informationen für seine
eigenen Zwecke verwenden.
Ich stoße jeden Tag darauf,
ich ärgere mich aber nicht mehr
darüber, weil ich schon so viel
erlebt habe, wie selbst nach Interviews,
nach Veranstaltungen völlig der
Sinn und Inhalt entstellt wurden.
(...) Teilweise wird sehr fahrlässig
damit umgegangen, aber ich würde
nicht so weit gehen und sagen, weil
es ein so sensibles Thema ist, gehe
ich überhaupt nicht mehr an die
Öffentlichkeit, bin ich auch
nicht dafür, dass Zeitzeugen
in der Öffentlichkeit sprechen,
bin ich für ein Bilderverbot
wie auch gegen filmische Bearbeitungen.
(...) Ich bin für eine offene
Bearbeitung des Themas und ich denke,
gewisse Risiken muss man einfach eingehen,
wenn man wirklich etwas bewegen will.
Wusste die deutsche Bevölkerung
über die Massenvernichtung in
Konzentrationslagern Bescheid?
Wer etwas wissen will, wird immer
Mittel und Wege finden, um an die
Informationen zu gelangen. Obwohl
SS-Angehörige, die in Auschwitz
stationiert waren unter Todesandrohungen
über die geheime Reichssache
Judenvernichtung Stillschweigen bewahren
mussten, gelangten Informationen auch
in die Außenwelt. Das heißt,
selbst diesen Männern war es
nicht möglich das auszuhalten
und mit dem Wissen allein weiterzuleben
ebenso wenig wie es auch für
die Sonderkommando-Häftlinge
erträglich war mit diesem Wissen
zu sterben ohne davon Zeugnis abzulegen.
So erklärt es sich ja auch, dass
es geheime Aufzeichnungen von Sonderkommando-Häftlingen
gab, die Berichte über das Geschehen
in den Krematorien in der Erde vergraben
haben. Ich denke allerdings auch,
dass die deutsche Bevölkerung
gute Gründe hatte nichts zu wissen
und ich denke, einige dieser Gründe
waren Selbstschutzmaßmahnen,
Selbstbetrug und schlicht und ergreifend
Angst vor Repressionen.
Unbewusst weiß man, dass es
sich um unglaubliche Verbrechen gehandelt
hat, mit denen man sich um Gottes
Willen nicht näher befassen möchte,
die man sozusagen aus Selbstschutz
verleugnen muss. Und Angst natürlich
auch vor den eigenen Leuten. Das war
ja letztlich auch Kalkül der
Endlöser gewesen: so hat man
SS- Angehörige erst zu diesen
Taten bringen können, soweit
unter Druck setzen können. Andererseits
haben sie sich auch selbst diesen
Druck auferlegt, bis sie letztlich
darin verstrickt waren, wobei man
Fanatismus, Kadavergehorsam und Beflissenheit
auch konstatieren muss. Die Angst
spielte keine unwesentliche Rolle:
einer wollte sein Gesicht nicht verlieren,
der Nächste sich nur keine Blöße
geben, andere wollten nicht denunziert
oder ausgeschlossen werden. Wir wissen
doch selbst von Hitlerjungen, die
sogar ihre Eltern denunziert haben.
Vor diesem Hintergrund war es ein
absolutes Tabu, in irgendeiner Weise
über die Verbrechen zu berichten,
die in Deutschland geschahen.
Wie bewerten Sie als Historiker
die Rekonstruktion über den bewaffneten
Aufstand auch des jüdischen Sonderkommandos
in dem Film die „Grauzone“?
Ich denke der Film „Die Grauzone“
ist nicht wirklich eine Rekonstruktion,
sondern eine fiktionale Bearbeitung
eines historischen Stoffs. (...)
Der Regisseur und Drehbuchautor hatte
meines Erachtens die Absicht, einen
Film über das Individuum in menschlichen
Extremsituationen, über die Abgründe
der menschlichen Natur zu machen.
Er hat menschliche Verhaltensweisen
in einem der dunkelsten Kapitel der
Shoah durchleuchtet und uns mit ethischen
Dilemmata konfrontiert.
Nicht umsonst hat er seinen Film in
Anlehnung an das Essay von Primo Levi
„Die Grauzone“ genannt
und nicht etwa „Auschwitz, 7.Oktober
1944, 13.25 Uhr“, wie im Vergleich
Claude Lanzmann seinen Film genannt
hat: „Sobibor, 14. Oktober 1943,
16 Uhr“. Das wäre ein Indiz
dafür gewesen, dass es eine Rekonstruktion
oder Dokumentation sein soll, aber
nein, er hat den Film „Die Grauzone“
genannt.
Worauf basiert der Titel des
Filmes und leistet der Film einen
Beitrag zur Erinnerungsarbeit?
Der Film gibt dem Publikum erst die
Gelegenheit diesem besonderem Ereignis
zu gedenken, was andere Filme nicht
getan haben.
Da wird zum Beispiel einem Schindler
ein Denkmal gesetzt. Dem Film „Die
Grauzone“ geht es zwar um das
Individuum, aber auch um das Schicksal
einer bestimmten Häftlingsgruppe
und um ein außergewöhnliches
Ereignis in der Geschichte des Vernichtungslagers
Auschwitz: ein herausragendes Beispiel
für jüdischen Widerstand.
In dieser Hinsicht gibt er dem Publikum
erst Gelegenheit sich mit diesen Tatsachen
vertraut zu machen und auf einer anderen
Ebene intensiver darüber nachzudenken.
Der Film stellt viele Fragen, er erklärt
aber relativ wenig. Und diese Lücke
provoziert geradezu zu einer Auseinandersetzung
mit der Problematik und zu einer kontroversen
Diskussion. In dieser Hinsicht fördert
er die Erinnerungsarbeit, zumal er
ja nicht wirklich als reiner Unterhaltungsfilm
bezeichnet werden kann. Dieser Film
hat ganz andere Ansprüche und
das kommt ihm auch zugute.
Der Film problematisiert auch das
diabolische Konzept der SS die Opfer
zu Tätern zu machen.
Der Film „Die Grauzone geht
ja auf Primo Levis Werk „Die
Untergegangenen und die Geretteten“
zurück, indem er auch mit dieser
Bezeichnung einen Grenzbereich und
Handlungsraum durchleuchtet, in dem
die Trennungslinie zwischen Opfer
und Täter verschwimmt.
(...) mit diesem Begriff versucht
er auch zu bezeichnen, dass moralische
Kategorisierungen diese Ereignisse
und Verhaltensweisen nicht mehr erfassen
können. Man hat ja oft genug
versucht die Sonderkommando-Häftlinge
als Kollaborateure darzustellen und
dieser Begriff zeigt eben auch auf,
dass dies so einfach nicht ist.
Denn die Sonderkommando-Häftlinge
befanden sich in einem ethischen Dilemma
und standen diesseits von Gut und
Böse. Das heißt, dieser
Titel von Primo Levi ist an sich ja
schon genial und ich finde, es ist
bemerkenswert, dass der Regisseur
diesen Filmtitel ausgesucht hat.
Durch die Fiktionalisierung des Themas
gerät der Regisseur jedoch auch
selbst in eine Grauzone und wird allein
dadurch schon dem Titel gerecht.
(HINWEIS: Die obenstehenden ausgewählten
und gekürzten Fragen sowie Antworten
wurden in folgendem Medium veröffentlicht:
Bilder der Grauzone. Ein Gespräch
mit Andreas Kilian über die Shoah
und das jüdische Sonderkommando
in Auschwitz, von Peer Zickgraf, in:
http://www.einseitig.info/html/content.php?txtid=24,
27.01.2005. Wir danken dem Autoren
und der Redaktion für deren Zustimmung
zur Veröffentlichung der Auszüge
auf www.sonderkommando-studien.de)
Sie gehören zu den wenigen
Spezialisten auf dem Gebiet der Sonderkommando-Forschung
in Deutschland. Wie sind sie als Historiker
zu diesem Thema gekommen?
Bis 1991 hat man sich nur mit der
Ökonomie der Vernichtung, d.
h. mit der Technik der Massenvernichtung
beschäftigt. Mich hat eigentlich
immer der Mensch interessiert, der
Mensch im Mittelpunkt. Was waren das
für Menschen, die diese grauenvolle
Arbeit verrichten mussten, wie haben
sie das erlebt, wie haben sie überlebt
und wie leben sie heute damit?
Anfang 1992 habe ich Claude Lanzmanns
Film „Shoah“ gesehen.
Dabei hat mich Filip Müllers
Bericht als Sonderkommando-Überlebender
so ergriffen und auch beeindruckt,
dass mich das Thema seitdem nicht
mehr losgelassen hat.
Wieso war der Mensch im Zentrum
der Vernichtung so lange kein Gegenstand
wissenschaftlicher Betrachtung? Galt
das Thema als Tabu oder war man Anfang
der 90er Jahre einfach noch nicht
so weit?
Beides. Hauptsächlich war es
ein Tabu-Thema, das letztlich erst
Gideon Greif mit seinem Interview-Band
„Wir weinten tränenlos“
beendet hat. Das Thema wurde 1995
durch dieses Buch neu belebt. Auch
wurden erst zu diesem Zeitpunkt Fachkreise
wieder darauf aufmerksam, denen nicht
bekannt war, dass Mitte der Neunzigerjahre
noch etwa 25 ehemalige Sonderkommando-Häftlinge
am Leben waren. Vorher sind alle Versuche,
das Thema systematisch zu untersuchen,
gescheitert.
Ist aus dieser systematischen
Arbeit auch Ihr Buch „Zeugen
aus der Todeszone“ (2002) hervorgegangen?
Ja, erstaunlicherweise war es die
erste Monografie zu den Sonderkommandos,
in der zudem die neuesten Forschungsergebnisse
und relevanten Daten verarbeitet wurden.
Trifft man heute immer noch
auf die gleichen Vorbehalte oder hat
die Aufarbeitung inzwischen zu einem
Wandel geführt?
Es ist immer noch ein Tabuthema und
vor allen Dingen, es ist auch ein
sehr schmerzhaftes Thema für
ehemalige Auschwitz-Häftlinge,
die viele Angehörige verloren
haben. Es gibt ganz konkret Überlebende,
die mir und anderen gesagt haben:
„Ja, die Sonderkommando-Häftlinge
das sind doch Mörder, die sind
nicht besser als die SS.“
Ich habe die Erfahrung gemacht, das
ehemalige Auschwitz-Häftlinge,
die das behaupten, selbst nie in ihrem
Leben, weder im Lager, noch nach ihrer
Befreiung mit Sonderkommando-Häftlingen
in Berührung kamen. Ich habe
noch von keinem ehemaligen Häftling,
der längere Zeit in Auschwitz
inhaftiert war und einen relativ guten
Überblick über die Geschehnisse
und Abläufe hatte, oder der Funktionen
und gute Beziehungen hatte, gehört,
dass er die Sonderkommando-Häftlinge
in irgendeiner Form als Kollaborateure
bezichtigt hätte.
Kommt hier nicht dem Film „Die
Grauzone“ von Tim Blake Nelson
(USA 2002) eine wichtige Rolle zu,
da er direkte Einblicke in die Arbeit
und Funktion der Sonderkommandos gewährt?
Ja, aber nur, wenn man zu dieser
Auseinandersetzung bereit ist. Und
darin liegt die Gefahr des Films.
Wenn man die Dialoge genau analysiert,
kann man sehr wohl das Dilemma erkennen
und auch zu dem Schluss kommen, es
waren gar keine Kollaborateure, es
waren verzweifelte Männer. Genauso
gut kann man, wenn man diese Vorbehalte
schon hat, sich bestätigt sehen
und sagen: Der Film führt doch
vor, dass es Mörder waren. Die
schlimmsten Szenen, die auch den Film
selbst zu einer Grauzone machen, zeigen,
wie Sonderkommando-Häftlinge
die Gaskammertüren schließen.
Das war so nie der Fall. Das wäre
ein Indiz der Mittäterschaft.
Das ist historisch falsch.
Die Darstellung im Film resultiert
aus einem sehr persönlichen Zugang
des Regisseurs zum Thema. Wie schätzen
Sie als Historiker ihn ein?
Man darf diesen Film nicht zu historisch
betrachten. Denn wenn man das tun
würde, müsste man sehr schnell
zu dem Schluss kommen, dass eine authentische
Darstellung historischer Abläufe
oder eine historische Dokumentation
nicht gelungen ist. Letztlich ist
das ja auch unmöglich. Aber ich
denke, das ist auch überhaupt
nicht die Absicht des Films, und in
dieser Hinsicht kann ich damit gut
leben.
Sie selbst sind vor mehr als
einem Jahrzehnt unter anderem durch
den Dokumentarfilm „Shoah“
zu diesem Thema gekommen. Der Regisseur
Claude Lanzmann gehört zu den
vehementesten Verfechtern des so genannten
Bilderverbots. „Wer Auschwitz
ins Bild setzt“, hat er einmal
gesagt, „macht sich der schlimmsten
Übertretung schuldig.“
Heute unterstützen Sie einen
Film, der den Zuschauer visuell ins
Zentrum der Vernichtung führt.
Wie lässt sich das miteinander
vereinbaren?
Zum einen bin ich gegen Verbote dieser
Art. Man muss das Thema künstlerisch,
also fiktional bearbeiten dürfen.
Ich halte von diesen Verboten überhaupt
nichts, zumal das Thema die Menschen
ja ohnehin beschäftigt und nach
Ausdrucksformen verlangt. Ich werde
oft gefragt, ob man das überhaupt
fiktional darstellen kann. Und da
muss ich schlicht und ergreifend antworten:
Man kann! Die Ergebnisse sieht man
ja im Kino. Ob man das darf, ist eine
andere Frage. Entscheidend ist für
mich die Frage, wie es dargestellt
wurde.
Ich würde dieses Thema nur fiktional
bearbeiten in der Form, dass ich alle
meine Erlebnisse und Erfahrungen,
die ich mit Sonderkommando-Überlebenden
hatte, dass ich diese einprägenden
Stimmungen und Bilder von Schauspielern
verkörpern und umsetzen lassen
würde. Man kann das nicht wie
Lanzmann machen. Sein Film ist eine
eindringliche Dokumentation, aber
letztlich er hat diesen Menschen auch
Gewalt angetan. Er hat die Häftlinge
mit den gleichen Methoden interviewt,
wie die SS-Angehörigen. Er hat
einfach skrupellos mit der Kamera
draufgehalten und die Menschen gegen
ihren Willen gefilmt. Er hat versucht
durch gezielte Provokation an deren
intimste Erfahrungen heranzukommen.
Man sieht ihnen ja an, wie sie das
alles noch einmal durchleben. Das
geht mir einen Schritt zu weit.
Nelson hat mit seinem Spielfilm
den Weg der Fiktionalisierung und
Dramatisierung beschritten. Ist diese
persönliche Annäherung an
das vielleicht dunkelste Kapitel der
Shoah der richtige Weg, um das Thema
aus seiner Grauzone zu befreien?
Ich habe großen Respekt davor,
dass der Regisseur das Thema umsetzen
konnte, dass er es überhaupt
umgesetzt hat. Das ist auch eine Art
Wertschätzung für diese
Arbeit, weil ich der Ansicht bin,
dass sich der Regisseur, selbst wenn
er sich historisch nicht sehr tiefgründig
mit der Thematik auseinander gesetzt
hat, doch auf seine Art und Weise
intensiv damit beschäftigt hat.
Aus eigener Erfahrung weiß ich,
wie schmerzhaft und anstrengend das
ist.
Man muss sich außerdem klar
machen, dass hier kein Steven Spielberg
am Werk war. Spielberg war nicht dazu
bereit, dieses Thema zu bearbeiten,
obwohl er über das Geld, die
Möglichkeiten und das Know-How
verfügte. Im Archiv seiner Visual-History-Foundation
befindet sich eine komplette Sammlung
von Zeugenaussagen ehemaliger Sonderkommando-Häftlinge.
Spielberg hat das Tabu nicht gebrochen,
weil es sich eben schlecht verkauft.
Auch keiner der anderen großen
Regisseure, die in diesen Bereichen
etwas gemacht haben, sahen sich in
der Lage, das Thema zu bearbeiten.
Deshalb finde ich es so wichtig, dass
„Die Grauzone“ in Deutschland
gezeigt wird, gerade im Vergleich
zu Filmen wie „Der Untergang“,
„Babij Jar“ oder „Napola“
. Man muss sich vorstellen: Sonderkommando
Auschwitz, die Krematorien von Auschwitz,
das war in der Tat die Endstation
und das Zentrum der nationalsozialistischen
Massenvernichtung. Und das Sonderkommando
hat in diesem Zentrum gearbeitet.
Es waren also die letzten und die
einzigen Zeugen des systematischen
Völkermords an den europäischen
Juden.
„Die Grauzone“ ist
ab dem 27. 1. hier zu Lande in den
Kinos zu sehen. Welche Erwartungen
verbinden Sie mit dem Filmstart in
Deutschland?
Interessant wird natürlich sein,
wie der Film von der Kritik aufgenommen
wird. Aber viel spannender finde ich
die Frage, wie das Publikum auf den
Film reagiert. Die Besucherzahlen
des Films werden zeigen, in wie weit
wir, die „Deutschen“,
für dieses Thema überhaupt
schon bereit sind und ob es sich nicht
doch noch immer um ein Tabu-Thema
handelt.
(HINWEIS: Die obenstehenden Fragen
und Antworten wurden auszugsweise
in folgendem Medium veröffentlicht:
"Es waren die letzten Zeugen
des Völkermords", sagt Andreas
Kilian, in:
taz Nr. 7575 vom 27.1.2005, Seite
12, Interview von Bernhard André
mit Andreas Kilian; siehe auch unter:
http://www.taz.de/pt/2005/01/27/a0199.nf/text.ges,1.
Wir danken dem Autoren und der Redaktion
für deren Zustimmung zur Veröffentlichung
auf www.sonderkommando-studien.de
und besonders Herrn André für
die zur Verfügung Stellung der
Langfassung des Interviews.)
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